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Resilienzcafé 2.0: Wie Ehrenamt gut gelingt

Ob im Fußballverein, beim Elternausschuss oder im Haus der Familie – viele Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich für die gute Sache. Damit bereichern sie ihre Kommune und sorgen für eine gute Nachbarschaft. Was brauchen Ehrenamtliche, um gut arbeiten zu können? Wo liegen die Herausforderungen und wie lassen sich diese meistern? Zu diesem Thema luden die Initiative „Die Pfalz macht sich/dich stark. Wege zur Resilienz“, das Pfalzklinikum (Link öffnet in neuem Fenster/Tab) und der Landkreis Südliche Weinstraße mit Landrat Dietmar Seefeldt (Link öffnet in neuem Fenster/Tab) alle Interessierten zum „Resilienzcafé 2.0“, am Tag der Nachbarschaft, ins Pfalzklinikum ein. Unter dem Motto „Wie gelingt Ehrenamt gut?“ kamen rund 50 Gäste, darunter Ehrenamtliche, Vertreter*innen von Initiativen und Bürgermeister*innen.

Im Mittelpunkt standen die Fragen:
• Was brauchen Ehrenamtliche, um gut arbeiten zu können?
• Wo liegen die Herausforderungen jenseits finanzieller Aspekte – und wie lassen sich diese meistern?

Dazu hielt Business- & Lifecoach Jutta Lischke von der Initiative „Stark im Ehrenamt“ (Link öffnet sich in neuem Fenster/Tab) einen Impulsvortrag. Danach berichteten Helga Schreieck vom Haus der Familie Bad Bergzabern, Armin Schowalter vom Landauer Verein Südstern e.V., Nicole Kästle von den Sportfreunden Dierbach und Sebastian Löhlein vom SV Klingenmünster in Kurzvorträgen von ihren Erfahrungen als Ehrenamtliche. Die Begrüßung übernahmen der stellvertretende Geschäftsführer Markus Landherr und die Pflegedirektorin Prof. Dr. Brigitte Anderl-Doliwa. Durch das Programm führten die Moderatorinnen Barbara Dees und Irina Kast.

Die Moderatorinnen Barbara Dees und Irina Kast mit Dr. Harald Weber.
Die Moderatorinnen Barbara Dees und Irina Kast mit Dr. Harald Weber.

Ehrenamt als Win-Win Situation
In ihrem Impulsvortrag arbeitete Jutta Lischke, Business- und Lifecoach sowie ehrenamtliche Beraterin bei „Stark im Ehrenamt“ heraus, wie wichtig das Ehrenamt für unsere Gesellschaft ist. Es stiftet Sinn, schafft Gemeinschaft, stärkt das Gefühl von Verbundenheit und Selbstwirksamkeit, trägt unser gesellschaftliches Miteinander und schafft tolle Möglichkeiten der Zusammenkunft und gegenseitigen Unterstützung. All das macht es zu einer Win-Win-Situation von der alle profitieren können. Gleichzeitig sehen sich Ehrenamtliche jedoch auch mit einigen Herausforderungen, konfrontiert. Beispielsweise ist es schwer, neue Mitglieder zu finden oder es gibt strukturelle Problemen in der Organisation. Hier setzen sie und ihr Verein „Stark im Ehrenamt“ an und unterstützen Ehrenamtliche bei ihren Problemen. „Wo stehen wir als Gruppe und wo wollen wir hin? Diese Frage gilt es zu klären, gerade in Zeiten von vielen Veränderungen“, so Jutta Lischke. Sie hilft Vereinen und Ehrenamtlichen dabei, neue Strukturen zu finden, Konflikte beizulegen oder die Kommunikation zu verbessern.

Jutta Lischke
Jutta Lischke

Veränderte Erwartungen an das Ehrenamt
Helga Schreieck erzählte, wie aus ihrem Ehrenamt schließlich eine hauptamtliche Anstellung als Koordinatorin im Haus der Familie in Bad Bergzabern (Link öffnet in neuem Fenster/Tab) wurde. Ihr Engagement begann im Presbyterium und entwickelte sich während der Elternzeit weiter, als sie sich für eine Suppenküche in Bad Bergzabern einsetzte. Ihre Tätigkeit für die Menschen und ihre Gemeinde nimmt sie als sinnstiftend und wichtig wahr und sie gibt ihr viel zurück.
Sie berichtet jedoch auch von Schwierigkeiten und Herausforderungen, auf die sie in ihrem beruflichen Alltag stößt. Zum einen wird die Gewinnung von Ehrenamtlichen zunehmend schwieriger – unter anderem aufgrund veränderter Erwartungen an das Ehrenamt. Sie beobachtet, dass sich die Strukturen verschoben haben: Viele möchten sich lieber projektweise einbringen und bevorzugen klar begrenzte Zeiten.
Zudem betont sie, wie herausfordernd es ist, den Ehrenamtlichen genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Offen spricht sie auch darüber, dass es ihr schwerfällt, selbst einmal Stopp zu sagen und sich nicht zu überarbeiten.

Helga Schreieck bei ihrem Vortrag
Helga Schreieck

Menschen zusammenbringen
Armin Schowalter vom Landauer Verein Südstern e.V. (Link öffnet in neuem Fenster/Tab) gab sehr persönliche Einblicke in sein Leben und in seinen Weg ins Ehrenamt. Nach einer handwerklichen Ausbildung, Reisen und ersten Berührungspunkten mit Jugendlichen fand er seine Berufung darin, Menschen miteinander zu verbinden, um so Zusammenhalt zu schaffen. Aus diesem Antrieb heraus gründete er den Verein Südstern e.V..
Er betonte die Bedeutung der intrinsischen Motivation, helfen zu wollen. Es treibt ihn an, Menschen zusammenzubringen. Zum Schluss resümierte er, dass auch ein „krummer Weg“ zum Ziel führen kann, dass unterschiedliche Wege gut sind und dass sich Dinge immer verbessern lassen. Die wichtigsten Grundlagen seien jedoch das Miteinander und der innere Antrieb.

Armin Schowalter
Armin Schowalter

„Vererbtes Ehrenamt“
Für Nicole Kästle von den Sportfreunden Dierbach (Link öffnet in neuem Fenster/Tab) war Ehrenamt schon immer selbstverständlich – ihr Vater lebte es ihr vor. Sie ist überzeugt, dass Ehrenamt in gewisser Weise „vererbt“ wird. Sie ist gerne ehrenamtlich in unterschiedlichsten Funktionen aktiv und betont die Wichtigkeit, sich zu engagieren. Durch ihre vielfältigen Tätigkeiten kennt sie die Herausforderungen, mit denen sich Vereinen konfrontiert sehen, sehr genau: klare Zuständigkeiten, Verbindlichkeit, Engagement und der Umgang mit knappen Ressourcen. Auch sie sieht Schwierigkeiten darin, neue Ehrenamtliche zu gewinnen. Krisen betrachtet sie jedoch als Chance, Strukturen zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

Nicole Kästle
Nicole Kästle

Begegnungsorte bewahren
Sebastian Löhleins Engagement begann mit einem „Liebesbrief“ im Briefkasten, als sein Heimatsportverein (SV Klingenmünster, Link öffnet in neuem Fenster/Tab) einen neuen Vorstand suchte. Der Verein, in dem er selbst als Kind spielte, spürt wie viele andere den gesellschaftlichen Wandel und Nachwuchsprobleme im ehrenamtlichen Engagement. Sebastian Löhlein ist es wichtig, sich für Begegnungsorte wie den Sportverein einzusetzen – Orte, an denen Menschen dazugehören und zusammenkommen können. Seine Arbeit im Verein ermöglicht es ihm aber auch, mit anderen Vereinen in den Austausch zu gehen und sich zu vernetzen. Auch er nimmt die Gewinnung neuer Ehrenamtlicher als schwierig wahr und sieht die Notwendigkeit, Strukturen zu schaffen, damit Engagement nicht als Last empfunden wird, sondern als etwas, das viel zurückgibt.

Sebastian Löhlein
Sebastian Löhlein

Gemeinsame Erkenntnisse
Aus allen Berichten wurde deutlich, dass ehrenamtliches Engagement etwas Tolles ist – dass es Sinn stiftet, Menschen zusammenbringt, Freude macht und wichtige Begegnungsorte schafft. Gleichzeitig stehen Vereine und Organisationen vor ähnlichen Herausforderungen. Die größte Schwierigkeit liegt dabei in der Rekrutierung und Ansprache neuer Ehrenamtlicher. Die Vortragenden sehen hierfür vor allem strukturelle und gesellschaftliche Veränderungen als zentrale Faktoren. Zudem wurde betont, dass Ressourcen, Kapazitäten, Strukturen und Prozesse immer wieder hinterfragt und angepasst werden müssen.

Austausch bei Suppe, Kuchen und World-Café
Nach den lebhaften und eindrucksvollen Vorträgen hatten die Anwesenden die Möglichkeit, sich bei Suppengesprächen weiter auszutauschen und zu vernetzen.

An den World-Café-Tischen zu den Themen:

• Probleme jenseits finanzieller Aspekte
• Wünsche an die Politik
• Inhalte eines möglichen VHS-Kurses

tauschten sich die Gäste rege aus. Sie teilten verschiedene Perspektiven, Herausforderungen und Wünsche miteinander und nahmen sie mit nach Hause.

Vier Personen stehen um einen World-Café-Tisch und schreiben auf die Tischdecke.
An diesem World-Café-Tisch wurden Anregungen zum VHS-Kurs gesammelt.
Die Gäste des Resilienzcafés stehen im Raum, essen Suppe und tauschen sich aus.
Bei den Suppengesprächen konnten sich die Teilnehmenden vernetzen und weitere Ideen austauschen.

Beitrag vom 08.06.2026, Text: Christina Seiter, Fotos: Christina Seiter und Irina Kast

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