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Professor Dr. Markus Steffens steht am Rednerpult vor einer Folie seines Vortrags. Auf der Folie sind Informationen zum Thema Stress und Neuroplastizität des Gehirns.

Dankbarkeit und Gemeinschaft – Wie wir gut durch Krisenzeiten kommen

Vortrag und Podiumsdiskussion zu Resilienz und mentaler Gesundheit am Freitag, 18. September, in der Stadtmission Kaiserslautern

„Geh zum Arzt oder bleib gesund, heißt es immer. Was hilft, wenn es mir schlecht geht, da wieder rauszukommen?“, diese Frage stellte Professor Dr. Markus Steffens am Freitag, 18. September, bei einem öffentlichen Vortrag mit Podiumsdiskussion in der Stadtmission Kaiserslautern. „Full House“ hieß es dort im großen Saal: Über 100 Gäste waren zu der Veranstaltung mit dem Titel „Lautrer Resilienzgespräche“ gekommen, um in angenehmer Atmosphäre etwas über seelische Gesundheit zu erfahren. Organisiert wurde der Abend von Karl-Richard Albus und weiteren Mitgliedern der Resilienz-Initiative Kaiserslautern, unterstützt von der Stadtmission. Zwei Musiker am Klavier und am Saxophon sorgten für Auflockerung und entspannte Momente zwischendurch.

Zutaten fürs Wohlbefinden
Die Natur genießen, Dampfnudeln mit einer Kollegin essen oder im Heimatort vorbeifahren – das sind für Pfalzklinikum-Geschäftsführer Paul Bomke und den Direktor des Museums Pfalzgalerie, Steffen Egle Zutaten für mehr Wohlbefinden und Resilienz im Leben.

Organisator Karl-Richard Albus mit Mikrophon bei der Begrüßung der Gäste. Im Hintergrund die Titelfolie des Vortrags: "Lautrer Resilienzgespräche - Herzlich willkommen - schön, dass Sie da sind"
Organisator Karl-Richard Albus begrüßte die Gäste
Markus Steffens, Paul Bomke und Steffen Egle bei der Podiumsdiskussion.
Markus Steffens, Paul Bomke und Steffen Egle bei der Podiumsdiskussion.

Engagement der Zivilgesellschaft gefragt
Darüber sprachen sie zu Beginn der Veranstaltung mit Markus Steffens. Paul Bomke gründete 2014 unsere Initiative „Die Pfalz macht sich/dich stark. Wege zur Resilienz“, von der auch das Netzwerk in Kaiserslautern ein Teil ist. „In Kanada habe ich gesehen, wie sich Kommunen im Bereich der seelischen Gesundheit vernetzen. Da dachte ich mir: Das kriegen wir in der Pfalz auch hin! Und damit nicht mehr so viele schwerkranke Menschen ins Pfalzklinikum müssen, bedarf es des Engagements der Zivilgesellschaft, und dabei soll die Initiative helfen. Und das hat nichts mit Selbstoptimierung zu tun, sondern laut WHO-Pyramide wirken hier am besten eine gute Selbstwahrnehmung und Gemeinschaft“, erklärte Paul Bomke.
Auch das Museum Pfalzgalerie möchte als Treffpunkt für Menschen Community-Arbeit leisten. „Kunst und Literatur regen zu Achtsamkeit, Wahrnehmung und letzten Endes zur Selbstwahrnehmung an. Auch Emotionen werden über Kunst transportiert. In anderen Ländern gibt es sogar Kunst auf Rezept. Wir wollen Social Prescribing betreiben und unser Museum als sozialen Treffpunkt sehen“, meinte Steffen Egle.

Radikale Erschütterung des Alltagslebens
Medizinische Grundlagen, aber auch ganz alltagsnahe Tipps für mehr Resilienz – auch in Krisenzeiten – präsentierte Markus Steffens in seinem anschließenden Vortrag. Der Ärztliche Direktor der DGD Klinik Hohe Mark in Frankfurt und Oberursel ist gebürtiger Pfälzer und seit vielen Jahren in unserer Resilienzinitiative engagiert. Der Facharzt und Philosoph Karl Jaspers definierte die Krise als Grenzsituation und radikale Erschütterung des gewohnten Alltagslebens. Markus Steffens unterschied in globale und regionale, sowie psychosoziale und persönliche Krisen, wie Arbeitsplatzverlust, Unfall, Erkrankung oder Probleme in der Partnerschaft.

Individuelle Grenze und Risikofaktoren
„All das hat Auswirkungen auf unsere seelische Gesundheit, meist handelt es sich um ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Unsere Grundanspannung geht mal rauf, mal runter, aber wenn sie dauerhaft eine gewisse Grenze überschreitet, die bei jedem Menschen individuell ist, geht es uns schlecht. Die individuelle Grenze kann herabgesetzt sein durch schwierige Ereignisse in Kindheit und Jugend“, so Markus Steffens. Zu den Risikofaktoren zählen zum Beispiel große Familien auf engem Wohnraum, chronische Disharmonie in der Familie, die Erkrankung eines Elternteils, Missbrauch und unsicheres Bindungsverhalten. Laut einer Studie aus Kalifornien können bestimmte Belastungsfaktoren aus der Kindheit das Risiko für eine schwere Erkrankung im Laufe des Lebens erhöhen und sogar zu einer um bis zu 20 Jahre gesenkten Lebenserwartung führen.

Professor Dr. Markus Steffens am Rednerpult. Dahinter ist eine Vortragsfolie eingeblendet, auf der die Themen Neuroplastizität und Stress behandelt werden.
Professor Dr. Markus Steffens bei seinem Vortrag.
Zu sehen ist der Saal der Stadmission Kaiserslautern, in dem etwa 100 Menschen auf Stühlen sitzen und dem Vortrag, der Podiumsdiskussion und der Musik zuhören.
"Full House" in der Kaiserslauterer Stadtmission: Über 100 Gäste waren gekommen.

Unser Gehirn kann wachsen
Und hier kommt die Resilienz ins Spiel: „Anders als früher angenommen, kann unser Gehirn durch positive Erfahrungen auch wachsen. Das ist die so genannte Neuroplastizität. Gefördert wird sie zum Beispiel durch körperliche Aktivität, eine abwechslungsreiche Umgebung und Lernen“, so Markus Steffens. Den Risiko- bzw. Belastungsfaktoren stehen die Resilienzfaktoren gegenüber, wie zum Beispiel eine positive Lebenseinstellung, die Erwartung, selbst wirksam sein zu können oder die Religiosität. Positive familiäre Beziehungen und die Einbindung in Gruppen zählen ebenfalls dazu. Markus Steffens zeigte 3 Dimensionen der Verbundenheit: transgenerational in der Familie, gesunde soziale Beziehungen, eine gute Beziehung zum Boden und der Natur, aber auch „nach oben“ im Sinne von Religiosität oder Spiritualität. Anhand einer positiven Stimmungsspirale konnte er zeigen, dass es sich lohnt, wenn sich Menschen zu Aktivitäten aufzuraffen, auch wenn sie zunächst keinen Antrieb haben: „Sie freuen sich über Ihren Erfolg, Ihre Stimmung wird besser. Sie tun außer den Pflichten bewusst noch was, was Ihnen Freude macht.“ Außerdem ist es möglich, trotz unsicherer Bindungsgeschichte, Sicherheit in sozialen Beziehungen zu erwerben. Hilfreich kann dabei auch die Bindungsbeziehung zu Gott sein. „Und wenn Sie gar nicht mehr weiterwissen, können Sie sich an Fachpersonen wie Ärzte, Psychotherapeut*innen oder eine Klinik wenden.“

Abstinent nach über 30 Jahren Suchterfahrung
Konkrete Tipps für mehr Resilienz hatte Markus Steffens ebenfalls parat: „Dazu gehören Musik machen oder hören, Malen und Sport, Dankbarkeit üben und spirituelle Sinnquellen. Sich etwas zutrauen und damit die Selbstwirksamkeit erhöhen und gute persönliche Kontakte pflegen, ist auch hilfreich“ In einer anschließenden Fragerunde gab es noch die Gelegenheit zum Austausch. Einer der Gäste teilte dabei seine ganz persönliche Geschichte: Nach über 30 Jahren Suchterkrankung machte er in einer Kirche eine spirituelle Erfahrung, als ihn der Pfarrer fragte, ob er sein Leben Jesus übergeben wolle. In einem langen Spaziergang verarbeitete er das Erlebte in der Natur und ist seitdem abstinent.

Eine Vortragsfolie mit Referent Markus Steffens in groß mit Resilienztipps, wie zum Beispiel: Dankbarkeit üben, gute persönliche Kontakte pflegen, sich etwas zutrauen.
Dankbarkeit, gute Kontakte, sich etwas zutrauen - wir können viel für unsere Resilienz tun.
Zwei Musiker am Klavier und am Saxophon sorgten für Auflockerung.
Musiker am Klavier und am Saxophon sorgten für Auflockerung.

Mit einem Musikstück klang der offizielle Teil des Abends aus. Anschließend luden das Netzwerk Resilienz-Initiative Kaiserslautern und die Stadtmission die Gäste noch ein, bei einem Getränk ins Gespräch zu kommen – Gemeinschaft stärkt die Resilienz.

Blogbeitrag vom 28.09.2026, Text und Fotos: Irina Kast

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